Hans Sachs, Schuhmacher und Poet (1491-1576)

April 30, 2007 at 7:01 am | Posted in German, Literature | 2 Comments
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hans SachsHeute ist mir nach einem deutschen Post zumute, wie auch anders, wenn mir Hans Sachs, der wortgewaltige Sprücheklopfer der frühen Neuzeit zwischen die Finger gerät:

Der Hans Sachs, der war ein Schuh-
macher und Poet dazu.

O-Ton Hans Sachs. Wer kennt ihn noch? In der Volkstanz- und Trachtengruppe meiner Mutter ist er wohlbekannt, dort spielen die aktiven Mitglieder (50-60jährig) den passiven Mitgliedern (70-90jährig) alljährlich am Dorfabend ein Hans-Sachs-Stück vor, dieses Jahr Das Kälberbrüten Selbiges Stück wurde auch schon Mitte der siebziger aufgeführt, wie Fotodokumente bezeugen, und sicherlich auch in der Zwischenzeit. Was allerdings kein gerechtfertigter Anlass zum Unken ist, auch nicht, dass die späteren Meistersinger ihr Regelwerk zur Beurteilung so streng angewendet haben, dass die Kunst im Keim erstickt wurde (mehr dazu in Wagners Meistersingern von Nürnberg).

108 Schauspiele, ca. 1800 Spruchgedichte und 4275 Meisterlieder soll der singende Schuhmacher verfasst haben – ein Meisterlied war ein Lied, dessen Text und Melodie der Autor selbst verfasst hatte, um es beim Zunfttreffen vorzutragen. Hauptsächlich Handwerker schlossen sich den Meistersingerzünften an – welch ein Luxus und wie schön wäre es, wenn Handwerk und Bildung im direktesten Sinn der Menschenbildung auch heute noch zusammenspielten:-)

Ich selbst liebäugele ja mit der Idee des Einrichtens einer Toastmaster Gesellschaft, auch wenn mir derzeit die kulturellen Ressourcen dazu fehlen. Zudem müsste ich mich in einer Gegend wohnhaft befinden, in der ich etwas von dem mir Angeeigneten an meine Umgebung und Umwelt zurückgeben wollte, und das ist hier derzeit nicht der Fall (würde ich auf dem Dorf wohnen, auf dem Mutter wohnt, würde ich wohl bald dem Volkstanz beitreten, um dort ebenfalls Hans-Sachs-Spiele zu spielen, aber ein solcher Umzug ist auch sehr sehr unwahrscheinlich in irgendeiner Zukunft)

Da in unseren Zeiten die Frage des Im Beruf Erfüllung Findens eine gar übermächtige spielt, wäre das nicht ein schöner Gedanke: Dienst ist Dienst und Schnap ist Schnaps, den Schuhmacherleisten am Tage und des Abends die Meistersingerzunft! Schon allein der Gedanke einer regelmäßigen Einkommensquelle, die einem erlaubt, die Freizeit zu verbringen mit ergötzlicheren Dingen wie der Wer war eigentlich Hans Sachs? erscheint mir wunderbar. In diesem Lichte bin ich immer noch erleichtert, dass ich den Doktoratsversuchungen nicht erlegen bin, wer braucht das legitime kulturelle Kapital? (Billige rhetorische Frage, den mit einem M.A. steh ich ja auch nicht als Waisenkind da).

Zurück zum Kälberbrüten: Ein ungeschickter Bauer, kaum ist die Bäurin aus dem Haus, lässt den Hof verkommen, die Katze das Fleisch fressen, das Kraut verbrennen, das Schwein in den Garten und das Kalb im Brunnen ertrinken. Vor Räue versucht er, es wieder gut zu machen – indem er einen Käse bebrütet. Bei den Eiern klappts ja auch. Die Bärtin hält ihn nun gänzlich für vom Teufel besessen und schafft es mit dem Pfarrer ihn von seinem Käsenest herunter zu holen:

Der Pfaff
Mein Hans, was wollst du brüten aus?
Der Bauer
(schreit, zeigt ihm einen Käse und spricht)
Kälber! Seht’s Wahrzeichen wohl,
Der Käs, der steckt von Maden voll,
Unten und oben, hinten und vorn;
Das wären eitel Kälber worn,
Hätt’ ihr mich nit davon gerissen.
Der Pfaff
Hans, ich wollt’ gern von dir wissen,
Wer dich die Kunst gelehret hat.
Der Bauer
Furcht, Sorg’ und Angst mich lehren tät,
Welche ich hatt’ zu meiner Frauen.
Der Pfaff
Sag’ uns die Wahrheit, laß’ uns schauen
Wie sich solch’ alles zugetragen.
Der Bauer
Die Sach’ mag ich euch gerne sagen:
Doch daß ich sicher vor dir sei!
Die Bäuerin
Ja, du sollst sein quitt, ledig, frei,
Ich muß doch sein mit dir erschlagen.

Das Fernsehen der frühen Neuzeit:-))) Den ganzen Text gibt es beim Projekt Gutenberg. Schöner sind die Texte bei den Wikicommons, da in Originalsatz erhalten, aber da gibt es das Kälberbrüten nicht. Aber auch hübsch: Der schwangere Pawer (der schwangere Bauer).

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2 Comments »

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  1. Did not understand a single word 😦

  2. Sorry! Every now and again I feel the need to write a bit in my native tongue – admittedly, German doesn’t look as beautiful as your occasional Hindi post;-)


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